Teil eines Werkes 
1. Bd. (1856)
Entstehung
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meine Vielgeliebten, ſprach die junge Frau;doch wahrhaftig, Ihr müßtet vielleicht, während es noch Zeit iſt, mich zurücktreten heißen.

Warum dies?

Wißt Ihr, daß ich kein Klavier geöffnet habe, ſeitdem wir, er und ich, mit einander unſern Abſchied vom Leben geſungen? Wenn mich die Stimme ver⸗ ließe! wenn ich Alles vergeſſen hätte!

Man vergißt nicht, was man nicht gelernt hat, Carmelite, ſagte Regina.Du ſangſt wie die Vögel: verlernen die Vögel zu ſingen?

Regina hat Recht, ſprach Frau von Marande; und ich bin Deiner ſicher, wie Du ſelbſt Deiner ſicher biſt. Singe alſo ohne Befangenheit, meine gute Geliebte! nie, dafür ſtehe ich Dir, wird ein Künſtler, um gehört zu werden, ein mehr ſympathetiſches Au⸗ ditorium gehabt haben!

Ah! ſingen Sie, ſingen Sie, Madame! ſagten alle Stimmen, außer den Stimmen von Suſanne und Loredan, denen des Bruders und der Schweſter, welche, der Bruder mit Erſtaunen, die Schweſter mit Neid, dieſe düſtere, aber glänzende Schönheit anſchauten.

Carmelite dankte den Kopf neigend und ging weiter auf das Klavier und zugleich auf den Grafen

Herbel zu.

Dieſer machte zwei Schritte ihr entgegen und verbeugte ſich.

Herr Graf, ſagte Frau von Marande,ich habe die Ehre, Ihnen meine theuerſte Freundin vor⸗ zuſtellen; denn von meinen drei Freundinnen iſt dieſe die unglücklichſte.

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