Teil eines Werkes 
1. Bd. (1856)
Entstehung
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der ſchönen Töchter von Sparta und Athen, welche für die Venus und die Hebes von Praxiteles und Phidias ſtanden.

Hatte dieſe ſtrahlende Schönheit, die wir ſo eben beſchrieben, ihre Bewunderer, ſo müſſen Sie begrei⸗ fen, daß ſie dagegen auch ihre Feinde und ihre Ver⸗ leumder hatte. Ihre Feinde, das waren faſt alle Frauen; ihre Verleumder, das waren alle diejenigen, welche ſich für berufen gehalten hatten und nicht auserwählt worden waren; es waren die abgewieſe⸗ nen Liebhaber; es waren dieſe Schönen und dieſe Elegants mit leerem Gehirne, die ſich nicht vorſtellen, eine Frau begabt mit ſolchen Schätzen könne damit geizig ſein.

Frau von Marande war alſo mehr als einmal verleumdet worden; und dennoch, obſchon ſie dieſe köſtliche Verführung der Frau, die Schwäche behalten hatte, hatten wenige Frauen die Verleumdung minder verdient als ſie.

So, als der Graf Herbel, als wahrer Voltairianer, was er war, zu ſeinem Neffen ſagte:Was iſt Frau von Marande? Eine Magdalena unter der Gewalt ihres Mannes und in der Unmacht der Reue! be⸗ ging der General unſerer Anſicht nach ein Unrecht, und wir werden ſpäter ſagen, auf welche gramma⸗ tikaliſche Art er die Wörter Gewalt und Unmacht hätte ſetzen müſſen, hätte er die geringſte Velleität gehabt, correct zu ſprechen. Madame Lydie von Marande war, wie man bald ſehen wird, nichts weniger als eine Magdalena.

Nun aber, da wir ſie genügend geſchildert zu haben glauben, wollen wir das Boudoir vollends