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Wir haben, ſo weit es der Feder dies zu thun erlaubt iſt, das Portrait ihrer drei Freundinnen von Saint⸗Denis gezeichnet; verſuchen wir es nun das ihrige zu ſtizziren.
Madame Lydie von Marande ſchien kaum ihr zwanzigſtes Jahr erreicht zu haben. Es war eine Perſon von reizendem Anblick für Jeden, der in der Frau einen Körper und nicht allein eine Seele fin⸗ den will.
Sie hatte Haare von einer köſtlichen Nuance: blond, wenn ſie dieſelben in leichten Locken trug, kaſtanienbraun, wenn ſie ſie in geſchloſſenem Scheitel trug; immer glänzend und ſeiden.
Ihre Stirne war ſchön, verſtändig und ſtolz, weiß wie Marmor, glatt wie dieſer.
Ihre Augen waren ſeltſam, weder völlig blau, noch völlig ſchwarz, doch an beiden Farben theilhabend, zuweilen in Nuancen von Opal ſpielend, andere Male düſter wie Laſurſtein, und dies je nach dem Lichte, das ſie beleuchtete, oder vielleicht nach den Schlägen des Herzens, das ſie belebte.
Die Naſe war fein, aufgeſtülpt, ſpöttiſch; der Mund war wohl gezeichnet, jedoch ein wenig groß, friſch wie feuchte Koralle, lachend und ſinnlich.
Gewöhnlich ſind ihre prallen Lippen leicht geöff⸗ net und laſſen das äußerſte Ende einer doppelten Reihe von Perlen ſehen; ſchließen ſich dieſe Lippen, ſo geben ſie, indem ſie ſich verbinden, dem ganzen oberen Theile des Geſichtes ein hoffärtiges, gering⸗ ſchätziges Weſen.
Das Kinn iſt zierlich und roſenfarbig.
Was aber dieſem ganzen Geſichte ſeine wirkliche


