137
zu Berge ſtehend, ſeine Kinnbacken an einander klap⸗ pernd, bis an die Wand zurück.
Hier blieb er in der Haltung eines Mannes, der einen Leichnam in ſeinem Sarge ſich würde erheben ſehen, und ließ mit einer dumpfen Stimme das ein⸗ zige Wort entſchlüpfen:
„Lebendig!“
„Allerdings lebendig,“ ſagte Herr Gérard.„Gott hat Mitleid mit meiner Reue gehabt und mir einen guten, jungen Arzt geſchickt, durch den ich geheilt worden bin.“
„Sie?“ rief der Abbé, der ſich einem entſetzlichen Traume preisgegeben glaubte.
„Nun wohl, ja. Ich begreife, daß Sie mich für todt gehalten haben, doch ich bin es nicht.“
„Sind Sie ſchon zweimal heute hier geweſen?“
„Und ich komme zum dritten Male... Ich wäre zehnmal gekommen; Sie begreifen, es lag mir daran, daß Sie mich nicht fortwährend für todt hielten.“
„Doch warum eher heute, als an einem andern Tage?“ fragte maſchinenmäßig der Abbé, indem er den Mörder mit ſtarren Augen anſchaute.
„Sie haben alſo die Zeitungen nicht geleſen?“ ſagte Herr Görard.
„Doch, ich habe ſie geleſen,“ antwortete mit dumpfer Stimme der Mönch, der den Abgrund, vor dem er ſich fand, zu ermeſſen anfing.
„Wenn Sie ſie geleſen haben, ſo müſſen Sie den Zweck meines Beſuches begreifen.“
Dominique begriff in der That, und ein kalter Schweiß floß über ſeinen ganzen Leib.


