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Sah man dieſen jungen Mann, der, vom Kopfe bis zu den Füßen in Sammet gekleidet, ſo nachläſſig ausgeſtreckt war und durch alle Poren die erſten Son⸗ nenſtrahlen einzuathmen ſchien, dieſen Mann mit ſeinen großen ſchwarzen Augen und ſeinem ſchwarzen Barte, ſo hätte man ihn für einen der wollüſtigen, in der Sonne, welche die Chiaje Neapels vergoldet, liegenden Lazzaroni gehalten.
Und dennoch würde, ihn näher oder aufmerkſamer anſchauend, derſenige, welcher beim erſten Blicke dieſe
einung von ihm gefaßt hätte, ſehr raſch ſeinen Irr⸗ thum erkannt und bereut haben, daß er ihn, wenn auch nur eine Secunde, mit jenen ſorgloſen Neapolitanern verwechſelt, deren Geſicht nur Trägheit und Beſtialität ausdrückt.
Es genügte in der That, einen Blick auf das Ge⸗ ſicht dieſes ſchönen jungen Mannes zu werfen, um zu begreifen, daß dies nicht ein Commiſſionär ähnlich denen, welche ihn umgaben, ein gemeiner Laſtträger, kurz ein Saumthier warz— nein, die männliche Schönheit dieſes Geſichtes, das Verſtändige dieſer Phy⸗ ſiognomie, die Diſtinction des Aeußern, die Originalität der Tracht, Alles offenbarte beim erſten Blicke den Mann, den unſere Leſer ohne Zweifel ſchon als den geheimnißvollen Salvator, als den Haupthelden unſeres Buches erkannt haben.
Salvator hatte ſchon ſeit ſieben Uhr Morgens ſeine zwei bis drei Commiſſionen gemacht; denn es fehlte ihm nicht an Commiſſionen, und, wir müſſen es bemerken, er empfing die auf ſein Gewerbe bezüglichen Befehle und Aufträge mit derſelben Höflichkeit, wir möchten beinahe ſagen mit derſelben Demuth, mit der es jeder andere Commiſſionär, der nicht dieſelben Ei⸗
genſchaften wie er würde beſeſſen haben, hätte thun können. Allerdings vollführte er die Sendungen, mit denen man ihn betraute, mit ganz anderer Intelligenz als einer von ſeinen Kameraden⸗
Die Mohicgner von Paris. MW. 21


