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durchzuſcheinen anfängt und ſein roſiges Antlitz noch verſchleiert von den letzten Rebeln des Winters zeigt.
Die Sonne, welche damals, um die arme Welt wiederzuerwärmen, nicht alle die Umſtände machte, die ſie in unſeren Tagen macht; die Sonne beleuchtete, durch Atmoſphäreſchichten benetzt von ihren jungen Strahlen ſchlüpfend, in ihrer ganzen reinen Schönheit die Najaden von Jean Goujou.
Von oben nach unten troff der Markt von Licht, und die Menge feierte inſtinctartig, ohne es zu wiſſen, zugleich mit dem dritten Sonntag des Monats März das Frühlingsfeſt durch Geſchrei und ſchallendes Ge⸗ lächter ſo freudig als Lieder.
Und es war wohl Urſache vorhanden, zugleich zu ſchreien, zu lachen und zu fingen: dieſer grau und ſchwarze, gewöhnlich ſechs Monate lang und ſeit ſechs Monaten ſo traurige, ſo düſtere Markt hatte in der Nacht ſeinen Roſenkranz aufgeſetzt, ſein Schlüſſelblu⸗ menkleid angezogen und ſeinen Veilchenſtrauß vorge⸗ ſteckt: man hätte glauben ſollen, es ſei der Blumen⸗ markt. Käufer, Handelsleute, Vorübergehende, Jeder wollte, die Frauen an ihrem Gürtel, die Männer an ihrem Knopfloche, dieſer eine Nelke, jener einen Lack, Einige von den wohlriechenden Pfännchen haben, welche die Natur bei ihrem Erwachen unter die Bewohner des Landes mit ihrer unermüdlichen Freigebigkeit, mit ihrer unerſchöpflichen Verſchwendung austheilt.
Einer von denjenigen, welche am Wollüſtigſten, wenn nicht am Geräuſchvollſten dieſes Erwachen der Natur zu genießen ſchienen, war ein in ſeiner ganzen Länge auf einem Commiſſionärshaken zwiſchen der Thüre und dem Fenſter vor einer der Schenken, mit denen die Rue aur Fers geſprenkelt iſt, ausgeſtreckter junger Mann, der beide Arme über ſeinem Kopfe ge⸗ kreuzt und die Augen der Fontaine aur Innocents zu⸗ gewendet hatte.


