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demie war entfernt nicht feindlich gegen die Regierung geſinnt; ganz im Gegentheile: die wahren Freunde des Königs waren vielleicht mehr hier als anderswo; und es geſchah ohne irgend einen Geiſt der Abgunſt, daß die Verſammlung ins Feuer gerieth über dieſe Motion, welche die Harmonie und die Unabhängigkeit der Wiſ⸗ ſenſchaften ſo nahe berührte.
Es wurde ſogleich der Tag zu einer Zuſammen⸗ kunft feſtgeſetzt, zu der alle Mitglieder berufen werden ſollten. Bei der Eröffnung der Sitzung las man oder verſuchte man es vielmehr, zu leſen, einen Brief von Herrn von Quelen, Erzbiſchof von Paris und Mitglied der Academie; der Eifer dieſes Prälaten für die natio⸗ nalen Freiheiten war ſehr erlahmt, wie man dies nach der Stelle ſeines Ausſchreibens beurtheilen konnte, die wir weiter oben angeführt haben, und in ſeinem Briefe ging er ſo weit, daß er die Befürchtung äußerte, eine einfache Supplik an den König könnte mit der Auf⸗ löſung der illuſtren Körperſchaft, welcher anzugehören er die Ehre habe, beſtraft werden.
Dieſes Uebermaß von Angſt war der Geſellſchaft äußerſt mißfällig, und ſie beſchloß auf das Verlangen des Herrn von Villemain, die Leſung des Briefes von Herrn von Quelen ſolle ausgeſetzt werden.
Die zahlreichen Beſchwerden gegen den Geſetzes⸗ entwurf wurden mit Kraft vorgetragen, mit Weisheit erörtert, mit Scharfſinn ins Auge gefaßt von den Her⸗ ren von Chaͤteaubriand, von Ségur, Villemain, An⸗ drieux, Lemercier, Lacretelle, Parſenal⸗Grandmaiſon, Duval und Jouy, welche indeſſen ſehr verſchiedenen Meinungsnuancen angehörten. Herr Michaud, der Ver⸗ faſſer der Geſchichte der Kreuzzüge, ſprach in demſelben Sinne, obſchon ſein monarchiſcher Eifer durch die Redaction der Quotidienne und beſſer noch durch die vielen Verfolgungen, die er unter der Regierung des Kaiſers ausgeſtanden hatte, bezeugt wurde. Kurz, dieſer Geſetzesentwurf fand nur ſic
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