260
dem wir zur Belohnung die Souverainetät des ganzen Landes laſſen, das er durchzogen hat.““
„Wohl, es ſei, Sire, wir ſind nun im Pendſchab. Wie nähren und verproviantiren wir die Armee?““
„Was das betrifft.— wir brauchen uns nicht darum zu bekümmern, ſo lange wir eine wohlgeſpickte Börſe und in Teheran und Cabul Sohocars*) haben, die unſere Tratten honoriren. Dort finden wir ein be⸗ wunderungswürdiges, ungeheures, ganz organiſirtes Commiſſariat, und zwar ſeit Jahrhunderten organiſirt, man ſollte glauben in der Abſicht, alle Eroberer zu un⸗ terſtützen, die ſich gefolgt ſind und in der Eroberung Indiens folgen werden.““
„Ich weiß durchaus nicht, was Sie hiemit ſagen wollen,“, ſprach der Kaiſer Alexander,„„und ich geſtehe offenherzig meine Unwiſſenheit.““
„„Nun wohl, Sire, Sie ſollen erfahren, daß in der ganzen ungeheuren Ausdehnung der hindoſtaniſchen Halbinſel ein Rieſenſtamm von Zigeunern in Indien unter dem Namen Brinjaries bekannt exiſtirt. Sie ſind es, welche in Indien ausſchließlich den Kornhan⸗ del treiben; auf Ochſen und Kameelen transportiren ſie das Korn nach unerhörten Entfernungen und in ſo zablreichen Karavanen, daß man glauben ſollte, es ſeien Armeecorps. Dieſe Menſchen ſind es, welche 1791 Lord Cornwallis in ſeinem Kriege gegen Tippo Saib ernährt haben; es ſind nomadiſche Indier, welche ſehr wenig beläſtigen, da ſie nie in Häuſern, ſondern immer unter Zelten wohnen; ſehr nützlich, weil ſie unter an⸗ deren ſeltſamen Gebräuchen den haben, daß ſie nie Fluß⸗ oder Teichwaſſer trinken. Eine Folge hievon iſt, daß
ſie vortreffliche Marſchgefährten in der Wüſte werden,
weil es nicht einen Tropfen Waſſer in der Nachbarſchaft gibt, den ſie nicht zu finden wiſſen, in welcher Tiefe er auch ſein mag... Nun wohl, Sire, dieſe Leute,
*) Banquiers.


