Teil eines Werkes 
13.-18. Bdchn (1856)
Entstehung
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„Lieben ſie ihre tartariſchen Fürſten mehr?““ fragte der Czaar.

„Ja, hundertmal ja, denn die tartariſchen Fürſten wohnten im Lande, verzehrten hier ungeheure Einkünfte, und es kam immer etwas davon dem ärmſten Paria zu. Der Engländer aber, dieſer vorübergehende Herr, der Engländer, wie die Raupe im Frühling, bleibt nur eine Jahreszeit in Indien, und ſobald er ein Schmet⸗ terling mit goldenen Flügeln geworden iſt, entfliegt er nach dem Mutterlande.““

„Und warum, Sire,“ fragte der Kaiſer Alexan⸗ der,„warum ſind bei dem allgemeinen Haſſe, den man gegen die Engländer hegt, die Revolutionen nicht häu⸗ figer?““

„Weil es in Indien nur individuelle Aufſtände geben kann, nie einen allgemeinen Sturm. Damit eine ernſte, compacte, univerſelle Revolution ſtattfinde, müß⸗ ten die Maſſen nicht getheilt ſein, wie ſie es durch die Intereſſen, den Haß, den Glauben ſind; es wird nie eine allgemeine Bewegung ſtattfinden, weil man, ſobald ſich zwei Secten in einer Verſchwörung vereinigen, ſicher iſt, daß am Vorabend des Tages, wo die Ver⸗ ſchwörung ausbrechen ſoll, eine von den zwei Secten die andere verräth. Das wird unfehlbar geſchehen, ſo lange dieſe Völker ſich ſelbſt überlaſſen ſind. Wäre es aber ebenſo, Sire, wenn England in Indien durch eine andere europäiſche Macht angegriffen würde? Würden die indiſchen Völkerſchaften England treu bleiben? nein! neutral zwiſchen dem neuen Angreifer und England? nein! Sie wären feindlich gegen England; ſie würden die Verbündeten ſeines Feindes, wer auch dieſer Feind ſein möchte, von welcher Seite er auch heranmarſchirte, in welcher Abſicht er auch käme. Sire, für den Mann, der, wie ich, ſeit fünfzehn Jahren, den Kopf gegen In⸗

dien geneigt, träumt, iſt dieſe ganze Seite Aſiens nur ein weites Baſſin, wo über einander gelegt die Trümmer von fünfzig Civiliſationen, die Ruinen von fünfzig

blick