CI. Die Erſcheinung.
Am andern Tage, oder vielmehr am Abend nach dieſer Nacht, war der Herzog,— trotz der Bitte und des Verbotes von Roſenha, trotz des Schwures, den er ihr auf dieſe Bitte und dieſes Verbot gethan,— war der Herzog von Reichſtadt, ſagen wir, wie am Tage vorher an dieſem Fenſter, nicht das Mädchen erwar⸗ tend, wie am Tage vorher, ſondern Herrn Sarranti, deſſen Taube zur verabredeten Stunde gekommen war und ihm den Beſuch auf Mitternacht angekündigt hatte.
Es war halb zwölf Uhr Abends. Roch eine halbe Stunde, und er ſollte ſich von Angeſicht zu Angeſicht einem der Männer gegenüber befinden, die am Treuſten dem Kaiſer gedient hatten, einem Manne, der ſich be⸗ reit hielt, ihm noch treuer nach ſeinem Tode zu dienen, als während ſeines Lebens.
Mochte es Ungeduld ſein, wurde es ihm ſchwer, die kalte Februar⸗Atmoſphäre zu ertragen, der junge Mann zog ſich ungefähr um drei Viertet auf zwölf Uhr zurück, ſchloß das Fenſter, zog die Vorhänge her⸗ metiſch zuſammen, ſetzte ſich auf das Canapé, ließ ſeine Stirne in ſeine Hände fallen und verſank in ein tiefes Nachdenken.
Worüber dachte er nach?
Ging ſeine Kindheit, wie der monotone Lauf eines Fluſſes, an ihm vorüber; oder ſah er an ſeinen Felſen gekettet, die Seite geöffnet, die Eingeweide blutig, den Prometheus von St. Helena?
Das Zimmer, das er bewohnte, genügte übrigens allein, um alle dieſe Erinnerungen zu erwecken.
Hatte nicht in dieſem Zimmer zweimal und zu
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