Teil eines Werkes 
13.-18. Bdchn (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

190

und ſie vernahm das Geſumme von allen dieſen Stim⸗ men nur unbeſtimmt, ohne es zu begreifen und ohne darauf zu antworten, gerade wie die Roſe das Summen der Bienen vernimmt.

Es ſcheint uns indeſſen dienlich, als gewiſſenhafter Erzähler zu bemerken, daß unter allen den rhetoriſchen Blumen der Reden, die man an ſie richtete, und die ſie nicht hörte, ſich die Schlange der Eiferſucht verbarg, welche von Zeit zu Zeit, mitten unter den zu den Füßen der Tänzerin entblätterten Blumen, ihren platten, ziſchen⸗ den Kopf emporſtreckte.

Seltſam! es war nicht dieſer vor Aller Augen, von den Händen des Indiers ihr zugeworfener Nazzer; es war nicht das um das Handgelenke des Mädchens geſchlungene Armband von Diamanten, das ſich im Ausſtrahlen von Flammen zu erſchöpfen ſchienz es war nicht dieſer unter ſeiner Goldſtickerei duftende Biſam⸗ ſack, der wie eine Geldtaſche am Gürtel der ſchönen Roſenha hing; es war nicht dieſer ganze ſichtbare was den Anbetern der Tänzerin ins Herz

nitt.

Nein, es war das Veilchenbouquet, das man ver⸗ gebens unter den andern auf dem Canaps, auf den Fauteuils und den Conſoles ausgebreiteten Sträußen ſuchte; dieſes Veilchenbougquet, deſſen lieblicher Duft mit dem ſcharfen Geruche des Biſams kämpfte, und das von unſichtbaren Händen gefallen warz es war der Blick, den Roſenha Engel nach der Loge, von der es ausgegangen, geworfen hatte; es war die zugleich flinke, zierliche und freudige Art, wie ſie es aufgenommen, um es ſodann an ihre Lippen emporzuheben; es waren die, ſcheinbar nichtigen, Einzelnheiten, welche jedoch geſehen, beobachtet und auf tauſend verſchiedene Arten ausge⸗ legt worden waren, und aus deren Geſammtheit her⸗ vorging, daß der Ruf der Tugend, der ſchönſte Blu⸗ menzierath der Krone des Mädchens, an dieſem Abend einen erſten, aber gewaltigen Stoß erlitten hatte.