Teil eines Werkes 
13.-18. Bdchn (1856)
Entstehung
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den Lippen verſchlingen konnte, ſo ſchien ſie ſie mit den Augen zu küſſen⸗

Die zwei Fremden waren aufmerkſam den gering⸗ ſten Einzelnheiten dieſer Scene gefolgt; ihre Augen hatten ſich, wie die der Tänzerin, zu der geheimnißvollen Loge emporgerichtet, und der General hatte ſeinen Freund in dem Momente beim Arme gefaßt, wo der Strauß von Roſenha Engel beinahe geküßt worden war.

„Er iſt da!“ rief franzöſiſch und vergeſſend, daß er verſtanden werden konnte, der indiſche General.

„Ja, dort, in jener Loge,“ antwortete der Mann im ſchwarzen Rocke im Diglecte von Lahore;„aber, um Gottes willen, General, laſſen Sie uns indiſch ſprechen.“

„Sie haben Recht, Gastano,“ ſagte der General in derſelben Sprache.

Und ſeine Hand in die Taſche ſeines großen Ge⸗ wandes ſteckend, fügte er bei:

„Ich glaube, der Augenblick iſt gekommen, daß wir auch unſern Nazzer der ſchönen Roſenha zuwerfen.“

Man nennt Nazzer in Indien die Gabe, welche ein Geringerer einem Höheren darbringt.

Der Nazzer des Generals beſtand aus einem Bi⸗ ſamſacke gemacht aus der Haut dieſes Thieres, eine aſiatiſche Curioſität, eine thibetaniſche Rarität, die ſich durch ihren Wohlgeruch verrieth und zum Indianer alle Augen zurückführte, welche ſich einen Moment der Loge, vu der der Veilchenſtrauß ausgegangen, zugewandt

atten. Der General machte in der That das diamantene Armband, das um ſein Fauſtgelenk geſchlungen war, los, knüpfte den Biſamſack daran, und warf das Ganze der Signora Engel zu, welche unwillkürlich einen Schrei der Heberraſchung ausſtieß, als ſie wie einen Bach in der Sonne eine Diamantenſchnur vom reinſten Waſſer glänzen ſah!