Teil eines Werkes 
13.-18. Bdchn (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

N

2 S— S S—

X— N

185

ſich in Anbetung vor der Göttin Roſenha, welche dieſe Metamorphoſe bewerkſtelligt hatte, niederzuwerfen.

Der Vorhang ſiel unter dem allgemeinen Beifall⸗ klatſchen und ging wieder auf unter dem wüthenden Geſchrei der Menge, welche die Signora Roſenha Engel hervorrief.

Die Signora Roſenha Engel erſchien wieder.

Da war es nicht mehr ein gewöhnlicher Regen, es war ein Gußregen, eine Lawine, eine Sündfluth von Blumen, Sträuße von allen Formen, von allen Größen, wir möchten ſogar ſagen, von allen Ländern,— denn einige waren das Product der reichſten Gewächshäuſer Wiens,— fielen in einer duftenden Cascade rings um die Beneficiantin.

Doch, ſeltſamer Weiſe! unter allen dieſen Wundern der Univerſalflora war die einzige Gabe, welche die ſchöne Roſenha Engel zu bemerken ſchien, der einzige Strauß, den ſie mit ihrer weißen Hand aufhob, ein kleines Veilchenbouquet, in deſſen Mitte eine ſchnee⸗ weiße Roſenknoſpe aufblühte.

Dieſes Bouquet war ſicherlich die Gabe einer ſchüchternen, beinahe furchtſamen Seele; wie das Veil⸗ chen, verbarg ſich dieſe Seele im Schatten und ſandte ſeinen Wohlgeruch aus, ohne ſeine Blumenkrone zu zeigen.

Das Veilchen ſtellte die Schüchternheit und die Beſcheidenheit vor, die weiße Roſe die Reinheit und die Schamhaftigkeit... Es fand offenbar eine Ver⸗

bindung zwiſchen dem, der den Strauß ſandte, mit der, welche ihn empfing, ſtatt.

Das war wenigſtens aller Wahrſcheinlichkeit nach die Meinung der ſchönen Roſenhaz denn dieſen Strauß, wie geſagt, im Vorzuge vor allen andern aufnehmend, hob ſie ihn bis zur Höhe ihrer Lippen empor, ſchaute nach der im letzten Range beinahe verlorenen Loge, aus der er gefallen war, und heftete dann auf die Blumen einen Blick voll Liebe:— da ſie dieſelben nicht mit