Teil eines Werkes 
13.-18. Bdchn (1856)
Entstehung
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ſteller, den wir bei der Controle nennen, freien Eintritt gewährt, und bei deſſen Thüre ein ungeheures ſilbernes Becken die von dieſem Elitepublikum für die Benefi⸗ ciantin beſtimmten Gaben aufnimmt.

Der Saal des kaiſerlichen Theaters in Wien iſt in gewöhnlichen Zeiten mittelmäßig elegant, doch ge⸗ ſchmückt, wie er es an dieſem Abend war, bot er einen wahrhaft feenartigen Anblick. Schaute man ihn in ſeinem Ganzen an, ſo hätte man glauben ſollen, es ſei das Innere eines arabiſchen Palaſtes, wo Diamanten, Perlen, Spitzen, Frauen und Blumen blinkten, funkel⸗ ten, ſangen, athmeten; auf welche Seite man die Au⸗ gen wandte, man erblickte nur weiße Geſichter und friſche Schultern, unter denen weder das verdrießliche Geſicht, noch die dunkle Kleidung des Mannes einen Flecken bildeten; es waren Maſſen von Blumen, welche aufblühten, ohne daß an irgend einem Orte der ſchwarze Stamm des Baumes durchdrang, und es ſchien, eine wiedererzeugende Gottheit ſei beauftragt worden, Alles zuſammenzubringen, was es Schönes in der alten Welt gab, um eine neue daraus zu bilden.

In der kaiſerlichen Loge, welche auf das Proſcenium rechts geſtellt iſt und aus der Verbindung von drei Logen beſteht, die ſich nach Belieben trennen oder vermengen, waren vor Allem hohe Frauen, ganz jung, ganz ſchön, ganz blond, ganz gleichförmig angethan mit Spitzenkleidern, die Bruſt und den Kopf bedeckt mit Blumen, unter denen, wie Thautropfen, Dia⸗ manten ſunkelten; zehn Frauen, oder vielmehr zehn junge Mädchen, denn die älteſte zählte nicht fünfund⸗ zwanzig Jahre, zehn Mädchen, die man für Schwe⸗ ſtern gehalten hätte, ſo ſehr glichen ſie ſich in Anmuth, Jugend und Schönheit; ſo ſehr ſtellten ſie die zehn

erſten Tage des Monats Mai vor.

Der kaiſerlichen Loge gegenüber, das heißt auf dem Proſcenium links, waren wie in einem zweiten Korbe beſtimmt, das Gegenſtück zum erſten zu bilden,