162
Sie zu ſehen, weil ich Ihnen etwas ſehr Wichtiges mitzutheilen habe.“
„Hätte ich gewußt, Sie werden uns das Vergnü⸗ gen machen, zum Frühſtück herabzukommen, meine Tante,“ erwiederte Regina,„ſo würde ich ſicherlich ge⸗ wartet haben; doch ich glaubte, geſtern und heute wol⸗ len Sie in der Einſamkeit bleiben und in Ihrer Woh⸗ nung frühſtücken.“
„Ich bin auch einzig und allein Ihnen zu Liebe herabgekommen, meine Nichte; und ich machte eine Ausnahme zu Ihren Gunſten wegen der Wichtigkeit der Umſtände.“
„Oh! mein Gott! Sie erſchrecken mich beinahe, meine Tante!“ ſagte Regina, indem ſie zu lächeln ſuchte. „Was gibt es denn?“
„Meine Nichte, es gibt, daß mir Herr Coletti in einem Briefe mittheilt, man habe Sie geſtern, am Aſchermittwoch, nicht in der Kirche geſehen.“
„In der That, meine Tante, ich war am Bette einer ſterbenden Freundin.“
„Heute wird Monſeigneur ſeine Einführung in die Faſten machen, und er hofft, Sie werden der Predigt beiwohnen.“
„Sie werden mich bei Monſeigneur entſchuldigen, meine Tante: ich gedenke heute nicht auszugehen. Ich habe geſtern einen großen Kummer gehabt, ich bin noch ſehr leidend, ich bedarf der Ruhe und werde mich heute nicht aus dem Hauſe rühren.“
„Ah!“ murmelte die Alte mit herbem Tone.
„Ja,“ fuhr Regina mit einer Feſtigkeit der Stimme und des Blickes fort, welche ihren Namen zu rechtfer⸗ tigen ſchien;„ich gedenke ſogar mich nach der Sitzung in mein Zimmer zurückzuziehen; denn Sie ſehen, daß ich eben ſitze, meine Tante;— und in dieſer Hinſicht erlauben Sie mir, Ihnen zu bemerken, daß Sie mich für Herrn Petrus völlig maskiren.“
„Oh!“ machte die alte Dame⸗
e+,
— 1—


