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„Franz! Franz! willſt Du nicht kommen, elender Schuft?“ rief der General mit einer Art von Wuth.
Bei dieſem energiſchen Rufe erſchien ein Diener, deſſen Tournure an jene vom Gurte ihrer anliegenden Hoſe am Leibe eng umſchloſſenen öſterreichiſchen Sol⸗ daten erinnerte. Er trug eine Art von Kreuz an einem gelben Bande befeſtigt und Corporalsborten.
Es war übrigens Grund vorhanden, daß Franz einem öſterreichiſchen Soldaten glich: er war von Wien.
Sogleich bei ſeinem Eintritte nahm er die militä⸗ riſche Haltung an,— die Beine an einander gedrückt, die Fußſpitzen auswärts geſetzt, den kleinen inger der linken Hand an der Naht der Hoſe, die offene rechte Hand in der Höhe der Stirne.
„Ah! biſt Du endlich da, Burſche!“ ſagte wüthend der Graf.
„Ja, ich bin da, mein Generalz ſchon da!“ ant⸗ wortete Franzöſiſch radebrechend der Wiener.
„Ja, ſchon da, nachdem ich dreimal gerufen habe, Schurke!“
„Ich habe es erſt das zweite Mal gehört, mein General.“
„Dummkopf!“ rief der General, unwillkürlich über die Raivetät ſeines Stiefelputzers lachend.„Und das Mittagsbrod, wo iſt es denn?“
„Das Mittagsbrod, mein General?“
„Ja, das Mittagsbrod.“
Franz ſchüttelte den Kopf.
„Wiel willſt Du etwa ſagen, es gebe kein Mittags⸗ brod, Schlingel?“
„Doch, mein General, es gibt eines; aber es iſt nicht die Stunde.“
„Es iſt nicht die Stunde?“
„Nein.“
„Wie viel Uhr iſt es denn?“
„Ein Viertel auf ſechs Uhr, mein General.“ „Wie, ein Viertel auf ſechs Uhr?“
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