Teil eines Werkes 
9.-10. Bdchn (1845)
Entstehung
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Ein zweites Schauern, noch merklicher als das erſte Mal, machte ſich in dem Alkoven hörbar.

„Sie iſt offenbar da,“ ſagte Brin zu ſich ſelbſt; „ſie horcht, ſie wartet.“

Karl hörte nichts.

„Ich ſterbe nun ohne männliche Erben,“ fuhr er fort.

Dann hielt er inne: ein ſüßer Gedanke ſchien ſein Antlitz zu erleuchten, und ſeine Hand auf die Schulter des Königs von Navarra legend, ſprach Karl:

„Ach! erinnerſt Du Dich, Henriot, erinnerſt Du Dich des armen kleinen Kindes, das ich Dir eines Abends, ſchlummernd und von einem Engel bewacht, gezeigt habe? Ach! Henriot, ſie werden es mir tödten!...

„Oh, Sire!“ rief Heinrich, die Augen von Thrä⸗ nen befeuchtet,„ich ſchwöre Euch vor Gott, daß ich Tag und Nacht über ſeinem Leben wachen werde. Be⸗ fehlt, mein König.“

„Ich danke, Henriot, ich danke,“ ſprach der König mit einem Erguſſe, der ſeinem Charakter ſehr ferne war und nur aus der Lage der Dinge hervorgehen konnte. „Ich nehme Dein Wort an. Mache keinen König aus ihm,.. glücklicher Weiſe iſt es nicht für den Thron geboren,.. ſondern einen glücklichen Menſchen. Ich hinterlaſſe ihm ein unabhängiges Vermögen; es beſitze den Adel ſeiner Mutter, den des Herzens. Vielleicht wäre es beſſer für das Kind, wenn man es für die Kirche beſtimmen würde; es dürfte weniger Furcht ein⸗ ſtößen. Oh! mir däucht, ich würde, wenn nicht glück⸗ licher, doch ruhiger ſterben, hätte ich hier zu meinem Troſte die Liebkoſungen des Kleinen und das fanfte Ge⸗ ſicht der Mutter.“