Auch Triſtan hatte ſich eine Cigarre angezündet und verſuchte zu leſen. Die ſchauerliche Grabesmuſik verhin⸗ derte ihn aber den Sinn zu faſſen, deshalb verließ auch er ſein Bett, fuhr in die Hoſen und rauchte am offenen Fenſter eine Cigarre. Das Loos derer, die ein ſchlechtes Gewiſſen im Leibe, aber kein Piano im Hauſe haben, ſchien ihm in dieſer Nacht ein beneidenswerthes zu ſein.
— O Tugend, dachte er, das iſt dein Lohn!
Der Trauermarſch von Beethoven iſt ein Meiſterwerk, und übt unter andern Umſtänden einen mächtigen Eindruck auf das Gemüth aus; wenn man aber ſchlafen will, und hört ihn ſo vortragen, wie ihn Madame Van⸗Dick Ve⸗ hufs Erreichung ihres Zweckes vortrug, berührt er den⸗ noch unangenehm. Es war unſerm Triſtan unmöglich, dem Concerte länger zuzuhören, deshalb öffnete er leiſe die Thür und ſuchte der Grabesharmonie zu entfliehen, da dieſe ihn nicht fliehen wollte. Nachdem er ſich mit einem kleinen Vorrathe von Cigarren verſehen, öffnete er das Fenſter des Corridor's das auf die Straße hinaus⸗ ging, lehnte ſich ſo bequem als möglich auf das Fen⸗ ſtergeſims und fuhr fort zu rauchen. Die Töne gelang⸗ ten natürlich viel ſchwächer zu ſeinen Ohren und ſeine Lage begann erträglicher zu werden.
So mochte er wohl fünf Minuten den Rauch ſeiner


