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tig wie bei der äginätiſchen Juno, die Schultern wie von Couſton modellirt, in der Mitte mit einem wollüſtigen Grüb⸗ chen, ſichtbar durch den Mouſſelin; eine mit Träumen angehauchte Luſtigkeit; eines Bildhauers würdig; ſo war Fantine und man errieth unter dieſem Putz und dieſen Bändern einen Körper und in dieſem Körper eine Seele.
Fantine war ſchön, ohne es allzuſehr zu wiſſen. Die ſeltenen, dunklen, geheimnißvollen Prieſter des Schönen, welche ſtillſchweigend Alles mit der Vollkommenheit ver⸗ glichen, hätten in dieſer kleinen Arbeiterin, unter der Durch⸗ ſichtigkeit der Pariſer Anmuth, den antiken heiligen Wohl⸗ klang erkannt. In dieſem Mädchen des Volkes lag Race. Sie war ſchön in der doppelten Art, im Styl und im Rhytmus. Der Sthl iſt die Form des Idealen; der Rhytmus iſt die Bewegung deſſelben.
Wir ſagten, daß Fantine die Freude ſelbſt war; Fan tine war auch die Schamhaftigkeit.
Für einen Beobachter, der ſie aufmerkſam ſtudirt hätte, wäre das, was ſich bei all dieſer Trunkenheit der Jugend, der Jahreszeit und der Liebe zeigte, ein ſichtlicher Aus⸗ druck der Zurückhaltung und der Beſcheidenheit geweſen. Sie war etwas verwundert. Dieſes keuſche Staunen iſt das, was die Pſyche von der Venus treunt. Fantine hatte die langen, weißen und feinen Finger der Veſtalin, welche die Aſche des heiligen Feuers mit einer goldenen Nadel rührt. Obgleich ſie, wie man allzu ſehr ſehen wird, Tho⸗ lomyes nichts verweigert hatte, ſo war doch ihr Geſicht im Zuſtande der Ruhe im höchſten Grade jungfräulich; eine
Art ernſter und beinahe ſtrenger Würde überzog es plötzlich zu gewiſſen Stunden, und nichts war ſonderbarer und be⸗ unruhigender, als die Heiterkeit dabei verſchwinden und die Stimmung ohne Uebergang der Luſtigkeit folgen zu ſehen. Dieſer plötzliche Ernſt, der ſich zuweilen ſtreng ausſpricht,


