Jungſran von Orleans.
„Sie wird wohl noch in der Kirche beten,“ antwor⸗ tete die Bäuerin.
„Nein, meine Mutter,“ ſagte einer von den jungen Männern,„ſie kam mit heraus, ging aber dann nach Hauſe, um ihren Vögeln Körner zu ſtreuen.“
„Ach ja, dort iſt ſie!“ bemerkte die Mutter, in die Gaſſe zeigend, worin ſich ihr Wohnhaus befand.„Aber, lieber Mann,“ fuhr ſie zu dieſem gewandt fort,„zanke deshalb nicht mit dem armen Kinde, hörſt Du?“
Weshalb ſollt ich das auch?“ ſprach Jacques; ſte doch nichts Böſes gethan.“
„Nun ja, das wohl,“ entgegnete die Frau,„aber Du haſt es in der Art ſie mehr als ihre Geſchwiſter anzu⸗ fahren. Und ſie kann doch nicht dafür, daß ihse Schwe⸗ ſter zweimal ſtärker iſt als ſie. Du mußt nicht ver⸗ geſſen, daß unſer frommes Kind ganze Nächte durch betet. Da muß ſie freilich den Tag über manchmal einſchlafen...“
„Ich weiß nur ſo viel, Frau, daß ſich jedermann über ſie luſtig macht, und ſelbſt unſer Bruder hier, ihr Oheim, kann ſich des Lachens nicht enthalten, wie Du ſiehſt. Es iſt kein S doch einer Familie, worin es Seher giebt, die man bald für Propheten, bald für Narren halten möchte.“ ½ „Ich möchte Euch nicht widerſprechen, mein Vater,“


