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Bilde ſtehen geblieben war, entfernte ſich auch das Kind, indem es ein erſchrockenes Geſichtchen machte, und begann wieder, mit ſeinem Hunde zu ſpielen.
„Nun,“ fragte die Gräfin Obinska Ingénue, „wie geht es Ihnen heute, mein Kind?“
„Ich bin ein wenig müde, Madame; wir haben geſtern einen langen Ritt mit Chriſtian gemacht.“
„Und das Reiten muß nun ein wenig ermüdend für ſie werden!“ ſprach lächelnd der junge Mann, indem er mit dem Blicke der Gräfin andeutete, die Umriſſe dieſer, ſonſt ſo zarten, Taille fangen an ſich zu entwickeln und zu runden, um dem kleinen Chri⸗ ſtian einen Spielkameraden zu geben.
„So intereſſant, bleich und angegriffen,“ ſagte die Gräfin,„erinnert ſie mich an die arme Königin von Frankreich, Marie Antoinette, das unglückliche Opfer der Ungeheuer, denen wir zu entkommen gewußt haben.“
„In der That,“ ſprach Chriſtian mit dem Lächeln des glücklichen Beſitzes, in welchem man nicht ge⸗ ſtört zu werden befürchtet,„in der That, ſie hatte dieſe Mattigkeit im Gange und dieſe Biegſamkeit in ihrer Taille; nur, als ihre Taille ſich rundete wie die unſerer kleinen Gräfin, brach ein ganzer eifriger Hof in Freude und Liebe aus.“
„Ach!“ erwiederte die Gräfin,„dieſe Freude und dieſe Liebe werden vielleicht für ſie auf das ſchon vom Blute ihres Gemahls geröthete, gräßliche Schaffot und für die Kinder, die ihr Schvoß getra⸗ gen, auf eine Gefangenſchaft, welche noch grauſamer als der Tod, hinauslaufen!... Doch mir ſchien,“ fragte die Gräfin, indem ſie ſich gegen die junge


