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den, den ſie ſeinen unglücklichen Herrn beſtehlend ertappt hatte.
„Laſſen Sie nichts ſichtbar werden: man kennt Ihre Seelenſtärke; lächeln Sie fortwährend gegen den Glenden, der bei Ihnen iſt, erregen Sie keinen Verdacht bei ihm; er wäre ſonſt im Stande, Sie auch zu ermorden.*
„Kommen Sie geſchwinde! man erwartet Sie.“
Als ſein durch dieſen entſetzlichen Brief gepeitſchtes Blut oft genug die Aufſteigung und die Abſteigung, die den Schlag und die Lähmung geben, gemacht hatte, ſtellte ſich Rétif wieder gerade auf ſeine wan⸗ kenden Beine und ſagte mit ſicherer Stimme:
„Dieſe Probebogen ſind ſchlecht, und die Arbei⸗ ter ſind ungeſchickte Leute.“
Sodann zerknitterte er das Papier in ſeiner
Hand und verſchloß es in ſeiner Taſche, ohne daß Auger es bemerken konnte und im Geringſten dar⸗ auf merkte.
Wonach er wieder ſeinen Platz bei Tiſche nahm und ſein Geſpräch mit dem Elenden fortſetzte.
Dieſer hatte gegeſſen, er war zufrieden; die Verdauung klärte ihm die Ideen auf: er war ge⸗ ſchwätzig und beinahe heiter.
In ſeinem Erguſſe ging er vom Heitern zum Traurigen über, und Reétif machte ſich das gräuliche Vergnügen, ſich den Tod von Ingénue mit allen Umſtänden erzählen zu laſſen, das heißt mit allen den Lügen, die der Elende aus ſeiner hölliſchen Schlauheit und aus dem ſchlechten Weine, den er getrunken, ſchöpfte.
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