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„Nun wohl,“ ſagte Auger,„berauben Sie mich nicht des Troſtes, den mir Ihre Gegenwart bringen ſoll, und da ich ſchwächer bin als Sie, ſo unter⸗ ſtützen Sie mich durch Ihr gutes Beiſpiel und Ihre Feſtigkeit.“
Es muß eine große Macht in der Schmeichelei liegen, daß ſie oft die Empfindſamkeit überwiegt. Retif ſchöpfte aus dieſer wirklichen oder ſcheinbaren Superiorität eine Stärke, der er ſich nicht fähig hielt er reichte die Hand ſeinem Schwiegerſohne, und berührte,— ein armes durch den Anſchein getäuſchtes
Herz,— dieſe Hand, die ſeine Tochter gemordet hatte. „Sehen Sie,“ ſagte Auger,„ich, der ich nur mit
meinen Armen oder mit meinem Inſtincte arbeite, ich werde in den Lebensverhältniſſen nicht leiden, wie Sie, der Sie mit Ihrem Kopfe arbeiten; ich werde wohl immer einen Schlüſſel in einem Schloſſe drehen, und immer eine Addition oder eine Arbeiter⸗ revue machen; ich werde wohl immer eine Tapete aufrollen; ich werde folglich leben, während Sie in Ihren Arbeiten unterbrochen werden können.“
„Guter Auger!“
„Alſo,“ rief dieſer mit einem ſo freudigen Aus⸗ drucke, daß Rétif nicht umhin konnte, den Kopf auf⸗ zurichten, um ihn anzuſchauen,„alſo, lieber Herr Rétif, wir werden mit einander wohnen?“
„Ja,“ ſprach Rétif.
Man begreift, welches Intereſſe Auger hatte, bei Rétif zu wohnen und auf das Beſte mit ihm zu ſein. Wie hätte man annehmen ſollen, der Mörder der Tochter wäre der Freund des Vaters geblieben?
Und dennoch verſchwand unter dem Blicke von
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