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welche Ingénue meiſtens hinausging, um mit ihm zuſammenzutreffen; er lief nach dieſer Thüre.
Die Gruppen durchſchneidend, hier geſtoßen, dort verwundet, an den Armen, an den Beinen gebrannt, an hundert Stellen zerriſſen, kam er ſodann in den kleinen Hof.
Hier ſah er durch die Fenſterſcheiben das Spiel von zwei Schatten.
Er erkannte Auger, er errieth Ingénue.
Ueberdies leuchtete die Flamme genug, daß er von unten ihr Geſicht ſehen konnte.
Ein Schrei wurde hörbar.
Dieſer Schrei ſchien ihm ein Hülferuf zu ſein; es war wirklich der von Ingénue.
Von der Angſt verzehrt, ſchaute er ſodann um⸗ her; er erblickte unter dem Schoppen eine noch un⸗ verſehrte Leiter, bemächtigte ſich derſelben, richtete ſie an der Mauer auf, zerſchmetterte das Fenſter mit einem Fauſtſchlage, und drang in die Kaſſe in dem Augenblicke ein, wo unter dem rauchenden Schutte die arme Frau, das Opfer ihrer Redlichkeit und ihres Muthes, lag.
In das Cabinet ſpringend, rief Chriſtian zweimal mit einer ſchrecklichen Stimme:
„Ingénue! Ingénue!“
Bei dieſem Schrei, bei dieſem Namen erhob ſich etwas Weißes mitten unter den Trümmern und hemmte die Schritte des jungen Mannes.
Ein Gemurmel, das ein Ruf der Freude und der Dankbarkeit ſein konnte, kam aus den Lippen der jungen Frau hervor.
Dieſer unartikulirte Ruf verkündigte, welchem


