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„Sie wollen alſo, daß ich das Gold zurückgebe?“ Und er zeigte frecher Weiſe Ingénue den Sack. „Allerdings will ich, daß Sie es zurückgeben.“
„Und wenn ich es nicht zurückgebe, werden Sie
mich anzeigen?“
„Ja, denn man ſoll erfahren, welches Ungeheuer von Schlechtigkeit Sie ſind.“
„Oh!“ ſprach der Elende mit einer Stimme, die nichts Menſchliches mehr hatte:„Sie werden nichts ſagen, Madame Auger!“
Und er legte die Hand abermals an ſeine Taſche.
Ingenue ſah die Bewegung und verſtand ſie.
„Ergreift den Dieb!“ rief Ingénue, während ſie
das Fenſter zu öffnen ſuchte, deſſen Scheiben die
Flammen in Splitter fliegen zu machen anfingen.
Und der ziemlich dichte Rauch, der durch dieſe zerbrochenen Scheiben eindringend das Zimmer füllte, verhinderte ſie, einen zweiten Schrei von ſich zu geben.
Auger ſtürzte auf ſie los, packte ſie bei der Gur⸗ gel, drückte ihr den Kopf zurück, und ſtieß ihr über der linken Bruſt das Meſſer, das er ganz geöffnet in der Taſche hielt, in den Leib.
Das Blut ſpritzte mit aller Gewalt hervor, und Ingénue fiel mit einem erſtickten Röcheln nieder.
Auger drückte mit einer krampfhaften Bewegung an ſeine Bruſt den Goldſack, den er mit einem Morde bezahlt hatte, eilte mit der Geſchwindigkeit eines Schattens durch die offene Thüre, und ſtolperte bei den zwei Stufen, die das Zimmer vom Vorzimmer trennten.
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