Teil eines Werkes 
11.-14. Bdchn (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

9⁴

klugheit begangen, ſie auch zu nehmen, als eine Stimme hinter Auger ertönte.

Oh! Elender! ſprach dieſe Stimme,Sie ſind alſo auch ein Dieb?

Auger wandte ſich um.

Dieſenige, welche geſprochen, war Ingénue; ſie ſtand bleich, keuchend, unbeweglich auf der Schwelle.

Auger ließ die Kerze los, welche auf den Boden rollte, und gezwungen, ſich an die Mauer anzuleh⸗ nen, ſowohl um ſich zu ſtützen, als um den Sack zu verbergen, preßte er ſeine Finger in das unter dem Drucke bebende Gold.

Sie! murmelte er,Sie hier?

Ja, ich! ſagte Ingénue,ich, die i6 Sie nun nach allen Ihren Seiten kenne.

Auger ſtrich mit einer ſchweißbedeckten Se über ſeine Stirne; dann ſteckte er inſtinctartig dieſe Hand in ſeine Weſtentaſche, wo ſie den Griff eines Meſſers fand, das ſtark und ſchneidend genug, um im Noth⸗ falle als Dolch zu dienen.

Er hatte übrigens noch keine ganz entſchiedene Idee. Er konnte nicht begreifen, er konnte ſeinen Augen nicht glauben.

Ingénue, von der er wußte, ſie ſei ausgegangen, von der er glaubte, ſie werde erſt bei Nacht nach Hauſe kommen, ertappte ihn auf friſcher That der Brandſtiftung und des Diebſtahls.

Dieſe ſanfte, reine Frau, das Bild der harm⸗ loſen Tugend, erſchien ihm wie Nemeſis mit den Rä⸗ cheraugen, mit den bedrohlichen Geberden.

Wie kam es, daß ſie hier war? Das läßt ſich leicht erklären.