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jenige, den Sie ſo eben bewunderten, geweſen, wel⸗ cher in mein Zimmer eingetreten.“
Diesmal ſchlug Ingénue ihre Augen wieder er⸗ röthend nieder.
„Ah!“ rief Rétif,„das iſt es! ich begreife ſehr gut: was weder der Gatte, der ſeine heiligen Rechte verkauft, noch der Prinz, der redlich geweſen, erlan⸗ gen konnten, es iſt der Liebhaber, es iſt dieſer Lieb⸗ haber geführt durch die ewige Liebe, durch den klei⸗ nen Gott, der hier hell ſieht, trotz der Binde, die er auf den Augen trägt; es iſt dieſer dem Tode ent⸗ wiſchte Schelm von einem Pagen; es iſt Herr Chri⸗ ſtian, der es davon getragen, Dank ſei es ſeinen Bitten, Dank ſei es ſeiner Bläſſe und dem günſtigen
Augenblicke ſeines Beſuches. Nun wohl, wenn ich
es Dir ſagen ſoll, das iſt mir nicht ärgerlich: im Gegentheile... Ah! ah! es iſt alſo Herr Chriſtian! O Natur! o Natur!“
Ingénue antwortete durch eine reizende kleine
Grimaſſe und durch eine Serie von Geberden, welche dazu dienten, mit Gewalt die zwei Arme, die Rétif beharrlich zum Himmel aufgehoben hielt, niederſinken zu machen.
„Es iſt eben ſo wenig Herr Chriſtian, als es die Anderen ſind,“ ſagte ſie, ſobald es ihr geſtattet
war, ein Wort anzubringen;„Herr Chriſtian, der⸗
jenige, welchen ich liebte, derjenige, welcher mich
liebte
„Nun?“ fragte Rétif.
„Er iſt derjenige von Allen, welcher mich am meiſten reſpectirt hat.“
„Bah!“ rief Reétif mit einem Erſtaunen, das
nic me alſ lie
ſei


