6⁸
„Sicherlich.“ „Gute Erlöſung! Nur,“ fügte Rétif, ſeine väter⸗
lichen Augen zum Plafond aufſchlagend, bei,„nur vergieße ich blutige Thränen, denke ich an dieſe
Jungfrau dem Elenden preisgegeben und, einer andern Andromeda ähnlich, an den Felſen der Tu⸗ gend und der Ehrlichkeit gefeſſelt.“
„Ich glaube, Sie täuſchen ſich abermals, mein Vater,“ entgegnete Ingénue, die Augen niederſchla⸗ gend, denn ſeit ihrer Verſöhnung mit Chriſtian hatte das arme Kind gelernt, es gebe Geheimniſſe, über die eine Frau erröthen könne, ohne ſchlimme Ge⸗ danken zu veranlaſſen.
„Wie, ich täuſche mich?“ rief Rétif.„Habe ich das Gedächtniß verloren? bin ich kindiſch geworden? Habe ich,— ich unglücklicher Blinder, der ich bin! — nicht darauf beſtanden, daß Du dieſem Elenden Deine Hand geben ſollſt? Haſt Du ſie ihm nicht vor dem Altar gegeben, und iſt vieſer Erzſchurke nicht Dein Gatte?“
„Ja, allerdings.“
„Haben wir nicht das Hochzeitmahl gehalten?“
Seider
„Ein Mahl, nach welchem ich, der Familienvater, die Mutter vertretend, die nicht mehr iſt, meine Toch⸗ ter nach dem alten Brauche in das Sochzeitgemach geführt habe..“
„Mein Vater...
„Aus welchem ich wegging.
„Mein Vater...
„Und wo der Gatte eintrat?“


