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und ihrem Vater ſchmeichelte, um ihren Geliebten vor ihm zu verbergen. Man erinnert ſich deſſen, was die zwei Kinder
einander verſprochen hatten: ſich alle Tage ſchreiben,
mit Hülfe eines Fadens ihre Briefe herunterlaſſen und hinaufziehen, ſich in jedem von dieſen Briefen ſagen, ſie lieben ſich und ſie werden ſich immer lieben;
das war das feſtgeſetzte Programm, das war das
befolgte Programm, und es genügte vierzehn Tage lang für ihr Glück.
Was aber kommen ſollte, kam. Chriſtian wurde ſo flehend, während er ehrerbietiger als je blieb, daß
Ingénue einſah, es wäre Grauſamkeit, einem Manne, der ſein Wort ſo getreulich hielt, eine Stunde der
füßen Plauderei zu verweigern, die ſie ihm ſchon im Jardin du Roi bewilligt hatte.
Nur war das Rendez⸗vous diesmal im Luxembourg. Chriſtian hatte gebeten, es möge dieſes Rendez⸗
vous zwiſchen zwei und drei Uhr ſtattfinden. Er wußte wohl, was er, dieſe Stunde wählend, that: die
Nacht würde bald kommen, und ein Liebhaber, ſo ehrfurchtsvoll er auch ſein mag, gewinnt immer etwas bei der Dunkelheit.
Es vergingen aufs Neue acht Tage im Brief⸗ wechſel; nach Verlauf dieſer acht Tage erhielt Chriſtian abermals ein Rendez⸗vous, und diesmal war es beim Cours⸗la⸗Reine.
Doch bei keinem dieſer Rendez⸗vous willigte In⸗ génue ein, Chriſtian in das eine oder das andere
das fröhliche, kindiſche Gelächter ſeiner Tochter Rétif an ſeine guten Tage des vorhergehenden Jahres er⸗ innert, als ſeine Tochter noch ein Mädchen war
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