Teil eines Werkes 
11.-14. Bdchn (1855)
Entstehung
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Lippen berühren und Sie umarmen wird, wie ich es in dieſem Augenblicke thue.

Ohl ich ſchwöre es Ihnen hundertmal.

Schwören Sie mir, daß Auger nie in Ihr Zim⸗ mer eintreten wird.

Ich ſchwöre es Ihnen!... Und wie ſoll er auch eintreten, da ich ihn verabſcheue?

Schwören Sie mir endlich, daß Sie mir alle Tage einen Brief ſchreiben wollen; ich werde ihn ſelbſt am Abend in Ihrer Straße holen; ſie laſſen denſelben am Ende eines Fadens herabhängen, und ich knüpfe dann den meinigen an.

Ich ſchwöre es! Doch wenn man uns ſieht?...

Das iſt meine Sache.

Und nun Gott befohlen!

Ja, Gott befohlen, Ingénue! da wir uns Lebe⸗ wohl ſagen, ohne uns von Herzen zu verlaſſen, Gott befohlen! aber noch einen Kuß!

Ingénue lächelte, doch ohne ſich zu ſträuben.

Dieſer Kuß dauerte ſo lange, daß Ingénue ge⸗ nöthigt war, ſich am Halſe von Chriſtian zu halten, ſonſt wäre ſie ohnmächtig auf die Raſen des Königs niedergefallen.

Endlich ſtieß ſie einen Schrei aus, gab den Kuß von Chriſtian zurück, machte ſich von ſeinen Armen los und verſchwand.

Noch drei ſolche Küſſe, ſprach Chriſtian trunken vor Freude,und Ingénue wird wohl ſehen, daß ſie nie verheirathet geweſen iſt! Doch von dieſem Augen⸗ blicke, Ingénue, biſt Du meine Frau; nur müſſen wir warten... Nun wohl, ich fühle den Muth hie⸗ zu in mir, ich werde warten!.

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