Teil eines Werkes 
11.-14. Bdchn (1855)
Entstehung
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waren und die Nacht herannahte, nahm er ſie in ſeine Arme und drückte ſie ſanft an ſein Herz.

Sie erröthete; eine unbekannte Wärme hatte plötzlich ihre Sinne entzündet und ihre Augen ſich drehen gemacht.

Minder naiv als Ingénue, bemerkte Chriſtian den Eindruck, den die junge Frau empfunden.

Hören Sie, Ingénue, ſprach er,ſagt Ihnen das, was Sie ſo eben gefühlt, nicht, es gebe in der Liebe noch etwas Anderes, als das, was Sie davon wiſſen?

Ja, denn Sie haben mich ſchon umarmt, Chri⸗ ſtian, doch ohne mir je das Feuer zu geben, das mich verwirrt und erſchreckt.

Ah! früher war ich für Sie nur ein Bruder.

Und heute?

Und heute begehre ich nach Ihnen wie ein zärt⸗ licher Gatte.

Nun wohl, Sie werden, ſo lange Sie wollen, mein Bruder ſein; doch mein Gatte, oh! nein.

Würden Sie ſich weigern, mich zu ſehen, wenn ich Sie darum bäte?

Ich bin heute nur gekommen, um Ihnen zu ſagen, daß ich Sie nicht ſehen würde.

Chriſtian wich einen Schritt zurück.

Ei! ſo ſagen Sie doch ſogleich, daß Sie mich nicht lieben, Ingénue! ſagen Sie es muthig!

Nein, Chriſtian, im Gegentheile, ich ſage muthig, daß ich Sie liebe; daß ich bei Nacht an Sie denke; daß ich am Tage auf Sie laure und Sie ſuche; daß ich außer dem, was ich Gott und meinem Vater ſchuldig bin, keinen Gedanken habe, der nicht Ihnen