Teil eines Werkes 
6.-10. Bdchn (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

306

Antoine; er wollte das eheliche Leben von Ingénue ſtudiren.

Dieſer junge Mann mit der glühenden Einbil⸗ dungskraft war ein Menſch von ſo feſter Entſchloſſen⸗ heit, daß er bei der geringſten Unwürdigkeit ſeiner Geliebten ſeine Liebe geopfert hätte.

Und darum, bevor er ſich blindlings in eine Leidenſchaft ſtürzte, deren Tragweite er kannte, weil

er ſein Herz kannte, lag ihm daran, ſich zu über⸗ zeugen, der Gegenſtand dieſer Leidenſchaft ſei wohl werth, daß man für ihn ſterbe.

Chriſtian zog einen grauen Rock an und hüllte ſich in einen weiten Mantel; dann ſtellte er ſich auf

die Lauer vor der Thüre von Ingénue zur Stunde,

wo, wie man weiß, gewöhnlich die Liebhaber und die Ehemänner ihre Verzeihung erhalten.

Auger war ausgegangen; um ſieben Uhr kam er wieder nach Hauſe. Bei ſeinem Anblicke ſchlug das Herz von Chriſtian, um ſeine Bruſt zu zer⸗ ſprengen. Das Licht ging zuerſt zum Vater Rétif, wo es einige Zeit verweilte; Chriſtian errieth, daß ein Geſpräch zwiſchen dem Schwiegervater und dem Schwiegerſohne ſtattfand.

Eben dieſes Licht doppelte ſich nach Verlauf von einer halben Stunde ab: Auger begab ſich mit ſeinem Handleuchter in das Zimmer ſeiner Frau. 3

Diesmal hörte das Herz von Chriſtian auf zu ſchlagen, ſein Athem ſtockte, ſeine Augen hefteten ſich ſtarr auf das Fenſter von Ingénue.

Sogleich nach der Erſcheinung des Mannes ſah Chriſtian einen Schatten ſich erheben.

Dieſer Schatten war ohne allen Zweifel Ingénue.

kei

ſo

als

ge