Teil eines Werkes 
6.-10. Bdchn (1855)
Entstehung
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durch die Stadt gegangen ſein, ſtatt heimlich zu laufen!

Und ſie erröthete abermals.

Die Augen von Ingénue füllten ſich mit Thrä⸗ nen bei dieſem Verweiſe, der indeſſen mit ganz müt⸗ terlichem Tone gegeben wurde.

Ah! Sie haben ſehr Recht! rief ſie;ich habe ſchlimm gehandelt, und ich bin beſtraft; aber, fügte ſie bei, indem ſie die Unbekannte mit einem ganz von Jungfräulichkeit glänzenden Auge anſchaute, glauben Sie wenigſtens nicht, ich ſei ſchuldig.

Oh! ich verlange kein Geſtändniß von Ihnen, Mademoiſelle, erwiederte die Fremde mit einer Art von ſcheuen Schamhaftigkeit zurückweichend.

Ingénue begriff bewunderungswürdig, und die Hand ihrer Gefährtin nehmend, ſprach ſie:

Hören Sie, ich muß Ihnen ſagen, was ich heute Abend in der Stadt zu thun hatte. Einer, den ich kenne(Ingénue ſchlug die Augen nieder), Einer, den ich liebe, iſt ſeit zehn Tagen abweſend; er gibt mir keine Nachricht von ſich und kommt nicht wieder. Es haben kürzlich Aufſtände ſtattgefunden, viele Schüſſe ſind gefallen, und ich befürchte, er iſt getödtet oder wenigſtens verwundet worden.

Die Fremde ſchwieg.

Oh! wie groß iſt Gott! rief Ingénue,wie

gut iſt Gott, daß er Sie mir geſchickt hat! Die Fremde ſenkte ihre keuſchen, leuchtenden Blicke auf das reizende, in Thränen gebadete Ge⸗ ſicht, das ſie anzuflehen ſchien. Es lag ſo viel milde Tugend, ſo viel beſceid⸗

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