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„Iſt das weit von hier?“
„Rue des Bernardins.“
„Das bezeichnet mir nichts; ich weiß nicht, wo dieſe Straße iſt, noch was für eine Straße das iſt.“
„Mein Gott! ich weiß kaum mehr als Sie. Wo bin ich hier?“ fügte Ingénue bei.
„Ich weiß es durchaus nicht; doch ich kann die Wirthin fragen; wollen Sie?“
„Oh! das iſt mir ſehr lieb, Madame, und Sie werden mir einen wahren Dienſt erweiſen.“
Die Reiſende wandte ſich um und fragte mit derſelben klaren und zugleich gebietenden Stimme:
„Madame, ich wünſchte zu wiſſen, wo wir ſind, — Quartier und Straße.“
„Mademoiſelle,“ erwiederte die Wirthin,„wir ſind in der Rue Serpente, bei der Ecke der Rue du Paon.“
„Sie haben gehört, mein Kind?“
„Ja, und ich danke Ihnen.“
„Mein Gott!“ ſprach das ſtärkere von den bei⸗ den Mädchen, Ingénue anſchauend,„mein Gott! wie bleich ſind Sie noch!“
„Oh! wenn Sie wüßten, wie ich Angſt gehabt habe!.. Aber Sie, wie beherzt ſind Sie!“
„Es war kein großes Verdienſt hiebei: wir be⸗ fanden uns in der Lage, auf meinen erſten Ruf Beiſtand zu erhalten; aber dennoch, ſo wie Sie ſa⸗ gen,“ fügte das Mädchen bei,„ja, in der That, ich glaube, ich bin beherzt.“
„Und was gibt Ihnen dieſen Muth, den ich nicht habe?“
„Die Ueberlegung.“
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