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Die Gräfin glaubte ſich noch in Polen, wo jeder Herr jedes Recht über ſeine Vaſallin hat.
Chriſtian erbleichte und 3 ſich ſeufzend auf ſein Bett zurück.
Erſchrocken, neigte ſich die Gräfin zu ihmundfragte:
„Was haſt Du, Chriſtian?“
„Nichts,“ antwortete der junge Mann,„ich leide!“
„Ah!“ ſagte die Gräfin, indem ſie aufſtand,„ich gäbe zehn Jahre von meinem Leben, um Dich in dieſem Zimmer gehen zu ſehen.“
„Und ich, ich gäbe zwanzig von dem meinigen, um auf der Straße gehen zu können,“ murmelte der arme Knabe.
Hiebei blieb das Geſpräch ſtehen; nur begriff die Gräfin, daß ihr Sohn ein Geheimniß für ſie hatte, und Chriſtian begriff, daß er keine Mutter für das Bekenntniß ſeines Geheimniſſes hatte.
Wie hätte er nicht, nach der von der Gräfin ausgeſprochenen ſtolzen Liebestheorie, in die tiefſte Tiefe ſeines Herzens die Liebe, die er für Ingénue empfand, einſchließen ſollen? und wie hätte er nicht die grauſamſte Qual, allein, ſeiner Mutter überlaſſen, auf einem Schmerzensbette, unfähig, eine Bewegung zu machen, außer Stande, zu ſchreiben, ſich zu erkun⸗ digen oder Boten zu ſchicken, erdulden ſollen?
Nur Eines tröſtete den armen Kranken: er kannte die monotone Regelmäßigkeit des Lebens von Ingé⸗ nue; dieſe Monotonie währte ſeit ſiebzehn Jahren: er hoffte, in ſeiner Abweſenheit werde dieſe Mono⸗ tonie fortdauern, als ob er gegenwärtig wäre. Warum ſollte die Zukunft nicht das getreue Bild der Ver⸗ gangenheit ſein?
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