Teil eines Werkes 
6.-10. Bdchn (1855)
Entstehung
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Und ſein melancholiſcher Blick heftete ſich auf ſein verwundetes Bein.

Die Gräfin begriff dieſen Blick, täuſchte ſich je⸗ doch in der Abſicht.

„Ein Unglück von vierzig Tagen!“ ſprach ſie; „willſt Du es etwa mit einem ewigen Unglück ver⸗ gleichen? Ich wiederhole Dir, mein liebes Kind, das Leben bietet ſich uns wie ein ſchöner Garten mit trefflichen Bäumen bepflanzt; Du biſt mitten unter den ſchmackhafteſten Früchten, und Du würdeſt im Gebüſche eine unverdauliche, fade wilde Beere ſuchen? .. Oh!l ich bin ſicher, daß Du das nur in der Theorie thun wirſt, Chriſtian!“

„Erklären Sie ſich deutlicher, meine Mutter,“ murmelte der junge Mann mit erſtickter Simme; „mir ſcheint, Sie ſprechen ſehr im Ernſte.“

„Ich? Durchaus nicht,“ erwiederte die Gräfin. „Ich habe Dich vorhin gefragt, ob Du verliebt ſeiſt; Du haſt mir geantwortet:„„Nein.““ Wäreſt Du es, ſo wäre es, um leicht glücklich zu werden: Du biſt von einer großen Familie, Chriſtian; Du haſt keinen Bruder; ein fürſtliches Vermögen erwartet Dich; Dein Gebieter, der Herr Graf von Artvis, iſt Sohn von Frankreich. Welchen Kummer könnteſt Du in der Liebe finden? Liebe die Tochter eines Fürſten, und wir werden machen, daß Du ſie erhältſt; liebe,— da man dieſes Wort für jede Art von Liebe gebraucht,— liebe ein Mädchen aus dem Volke, nimm es für die ganze Zeit, die Deine Liebe dauern wird, und hernach ſchätze das Glück, welches Dir das Mädchen gegeben hat, und bezahle es nach ſeinem Werthe.“