Teil eines Werkes 
6.-10. Bdchn (1855)
Entstehung
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ihr alle Charaktere der Freiwilligkeit, des Willens bei; Du wirſt nie etwas dem Zufalle, dem Unvor⸗ hergeſehenen einräumen; Du wirſt nie ſagen, man

ſei unwillkürlich hingeriſſen worden, man habe die

Liebe aus einem Zuſammentreffen, beim Zuſammen⸗

fluſſe zweier elektriſchen Strömungen geſchöpft, wie

es die ſtarken encyklopädiſchen Geiſter Frankreichs

ſagen.“ Chriſtian blieb ſtumm.

„Nicht wahr, Du gibſt mir Recht?“ fragte die

Gräfin.

„Meine Mutter, entſchuldigen Sie mich, Ihre Theorie adoptiren hieße Alles das unterdrüͤcken, was Mächtiges und Praktiſches in der Liebe iſt. Un⸗ willkürlich lieben, glauben Sie mir, meine Mutter, heißt nicht das Spielzeug des Zufalles ſein, es heißt ſich der Nothwendigkeit unterziehen, dem Willen Got⸗ tes gehorchen!.. Werden Sie immer noch ſagen, die Liebe ſei keine intelligente Combination?“

Chriſtian glaubte ſeine Mutter in Verlegenheit geſetzt zu haben.

„Ah! ah!“ erwiederte ſie,„Du urtheilſt wie ein Marat, der den Tag und die Menſchen flieht, weil

es ihm, da er die Welt mit ſeinen gelben Augen

ſieht, ſcheint, es ſei nichts ſchön, nichts gut, um es

kennen zu lernen. Statt Ausnahmen zu ſuchen,

mein Sohn,— was immer ein mißliches Handwerk iſt,— überlaß Dich dem, daß Du im Leben das findeſt, was es uns Gutes auf jedem Schritte bietet.“

„Oh! meine Mutter! meine Mutter!“ ſagte Chri⸗

ſtian mit einem düſtern Lächeln.