Teil eines Werkes 
6.-10. Bdchn (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

156

mit vollen Händen unter dieſen entſetzlichen Inſtru⸗

menten wühlen ſah, hielt ich Sie eher für einen

Schlächter, als für einen Arzt. Nun ſind Sie im Gegentheile eifrig und ſorgſam gegen mich, wie es nur eine Frau wäre, und Sie ſchauen mich an, wie

ein Vater ſein Kind anſchauen würde. Denjenigen,

welchen man ſo anſchaut, will man nicht leiden laſſen.

Marat wandte ſich ab. Was ſuchte denn dieſes bittere, verachtende Herz zu verbergen? Schämte ſich Marat ſeiner guten Gefühle, wie ſich ein Anderer ſchlimmer geſchämt hätte? Oder ging im Grunde dieſer finſteren Seele etwas Ungewöhnliches vor, was er Aller Augen entziehen wollte?

In dieſem Momente machte ſich im Vorzimmer ein Geräuſch hörbar, ähnlich dem einer Perſon, welche in größter Eile herbeiläuft, und eine Frau ſtürzte aus dem Corridor herein und rief mit erſtickter Stimme:

Mein Sohn! mein Chriſtian! wo iſt er? wo iſt er?

Meine Mutter! rief der junge Mann, indem er ſich in ſeinem Bette aufrichtete und beide Arme derjenigen, welche herbeilief, entgegenſtreckte.

Zu gleicher Zeit zeichnete ſich die hohe Geſtalt von Danton in der Oeffnung der Thüre wie in einem für ſie zu engen Rahmen.

Danton ſuchte mit den Augen Marat; dieſer hatte aber beim Anblicke der eintretenden Frau und beim erſten Worte, das ſie geſprochen, einen Schrei ausgeſtoßen und war in den dunkelſten Winkel des Zimmers zurückgewichen.