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„Ah! Sie wiſſen Alles, mein Vater!“
„Außer dem Ende dieſes Abenteuers.“
„Nun wohl, nach dem Tode meines Kameraden öffneten ſich mir ſogleich die Augen: ich lief zum Herrn Grafen von Artvis, und ſtatt die neuen Mit⸗ tel anzunehmen, die er zu meiner Verfügung ſtellte, brach ich mit ihm und forderte meinen Abſchied.“
„Das iſt gut! das iſt gut!“ rief der Prieſter in ſeiner Naivetät,„obgleich es gefährlich iſt!“
„Ah! für einen Menſchen, der zu ſterben reſignirt iſt, bleibt nichts gefährlich, mein Vater! In der That, was kann mir Schlimmeres widerfahren, als der Tod? Die Schande! nun wohl, der Selbſtmord, zu dem ich entſchloſſen bin, erſpart mir ſie, und Ihre Ab⸗ ſolution wird mich denſelben muthig erdulden laſſen.“
„Sie wiſſen, daß ich Ihnen die Abſolution in dem Falle, daß ich ſie geben zu müſſen glaube, nur gegen ein förmliches Verſprechen, gegen einen heili⸗ gen Eid, ſich nicht an Ihrem Leben zu vergreifen, geben werde.“
Auger ſchrie auf, ſeufzte, krümmte ſich, und ſuchte fortwährend den Pfarrer zu überreden, es ſei nie ein reumüthigerer Chriſt vor dem Bußgerichte er⸗ ſchienen.
Er trieb die Schmähungen, die er an ſich richtete, und die Schläge, die er ſich auf die Bruſt gab, ſo weit, daß der gute Pfarrer, ernſt geworden und ſich als Märtyrer der Wahrheit hervorſtellend, keinen Anſtand nahm, zu ihm zu ſagen:
„Mein Sohn, der wahre Verbrecher bei dieſer Sache ſind nicht Sie.“
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