Teil eines Werkes 
6.-10. Bdchn (1855)
Entstehung
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„Nun, erklären Sie das?“ ſagte Ingénue, welche unbarmherzig ihre Raiſonnements verfolgte.

„Ich erkläre nichts,“ brummte Rétif;„nur wieder⸗ hole ich, daß Herr Chriſtian ein ausſchweifender Menſch iſt, da er Dich geküßt hat.“

„Oh!“ entgegnete das Mädchen,„ich habe ihn auch geküßt, und ich bin nicht ausſchweifend, mein Vater.“

Der unnachahmliche Ausdruck, mit dem dieſe Worte geſprochen wurden, machte allen Zorn des Romanendichters ſchmelzen; er fühlte, daß er ſeine Kaltblütigkeit wiedererlangen und gegen eine ſolche Unſchuld Liſt gebrauchen mußte.

„Dann habe ich Dir noch Eines zu ſagen, mein Kind,“ fügte er bei.

„Sprechen Sie, mein Vater, ich höre.“

„Iſt Herr Chriſtian kein Ausſchweifling, ſo mag ich ihn immerhin weggejagt haben,— er wird wie⸗ derkommen.“

„Oh! deſſen bin ich ſicher.“

„Wenn er alſo nicht wiederkommt?...“

Rétif hielt zögernd inne, denn er fühlte, daß er eine ſchlechte Handlung beging.

„Nun, wenn er nicht wiederkommt?“ fragte In⸗ génue, die Stirne faltend.

„Wenn er nicht wiederkommt, wirſt Du endlich glauben, daß Du Dich über ihn getäuſcht haſt, und daß er es nur auf Deine Tugend, aus Laune oder Sittenloſigkeit, abgeſehen hatte?“

„Mein Vater!“

„Wirſt Du glauben?“

„Nein!“