Teil eines Werkes 
6.-10. Bdchn (1855)
Entstehung
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Ein Page? rief Ingénue mit einem Ausdrucke des Schreckens, der Rétif nicht entging.

Page eines Prinzen! ſagte Röétif, der mit Glück ein beſonderes Gewicht auf die von ihm hervor⸗ gebrachte Wirkung legte, welche ſich durch die Bläſſe von Ingénue verrieth, ſo wohl begründet war der Ruf der Herren Pagen im ganzen Umfange des Königreichs.

Wäre Ingénue geſtanden, ſie würde ſicherlich niedergeſunken ſein; ſie ſaß, neigte das Haupt und wiederholte:Ein Page!

Ein Page des Herrn Grafen von Artois, ſprach Rétif,das heißt der Diener eines Ausſchweiflings!

Sodann erſchrocken über das, was ihm entſchlüpft war, dämpfte er die Stimme und fügte bei:

Denn wir dürfen es ſagen in voller Offenher⸗ zigkeit, mit der edlen Offenherzigkeit, die ſich für ein redliches Gemüth und einen freien Mann geziemt...

Und er ſprach ſo leiſe, daß ihn ſeine Tochter, an die er ſich wandte, kaum verſtand.

Denn wir dürfen es ſagen, der Herr Graf von

Artvis iſt ein Erzlibertin, ein Mädchenverführer, ein

Roué beſtimmt, die Heldenthaten der Regentſchaft fortzuſetzen!

Nun wohl, unterbrach Ingénue, welche wieder ein wenig Feſtigkeit erlangt hatte,was hat Alles dies mit Herrn Chriſtian gemein?

Was das mit ihm gemein hat?.. Ei! mir ſcheint, Du kennſt das Sprüchwort:Wie der Herr, ſo der Diener! Ich hoffe, wir ſtellen uns nicht vor, Chriſtian ſei ein Tugendſpiegel!

Warum nicht? murmelte Ingénue ſchwach.

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