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Ingönue ſtand ſo raſch auf, als ob eine Feder ſie emporgehoben hätte, und ſchaute ihren Vater mit lebhaften, klaren Augen an, welche, wenn nicht eine Herausforderung, doch wenigſtens die nachdrücklichſte Proteſtation enthielten.
Rétif ſchüttelte ſeine Schultern, als wollte er den Sturm verjagen, der ſich auf ihn niederſenkte, führte Chriſtian bis auf den Ruheplatz, grüßte ihn höflich, und ſchloß die Thüre wieder hinter dem jungen Manne nicht nur mit dem Schlüſſel, ſondern auch mit den Riegeln.
Dann kehrte er zurück, und er fand Ingénue an demſelben Orte, wo er ſie gelaſſen hatte, ſtehend, aufrecht und unbeweglich vor dem Lichte; ſie richtete kein Wort an ihn.
Retif fühlte ſich ſichtbar unbehaglich; es koſtete ihn Ueberwindung, Ingénue entgegen zu ſein; doch es hätte ihn noch viel mehr gekoſtet, auf ſeine Vor⸗ urtheile zu verzichten.
„Du biſt mir böſe?“ ſagte er nach einem kurzen Stillſchweigen.
„Nein,“ antwortete Ingénue,„ich habe nicht das Recht hiezu.“
„Wie, Du haſt nicht das Recht hiezu?“
„Sie ſind nicht mein Vater?“
Ingénue begleitete dieſe Worte mit einem faſt bitteren Ausdrucke und einem faſt ironiſchen Lächeln.
Rétif ſchauerte: es war das erſte Mal, daß er bei Ingénue einen ſolchen Ausdruck und ein ſolches Lächeln fand.
Er trat ans Fenſter, öffnete es und ſah langſam
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