Teil eines Werkes 
1.-3. Bdchn (1847)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

170

wandtſchaft ſtehen, und Gott, der nie zwei Menſchen zwei gleiche Geſchicke gegeben hat, hatte Euch Beide ohne Zweifel zu denſelben Ereigniſſen vorbehalten. Denn ich hatte mich nicht getäuſcht: die Linien der Hand und die Geſtirne des Himmels waren für Euch Beide dieſelben. Ich will übrigens nicht ſagen, es finde keine Verſchiedenheit in den einzelnen Umſtänden von Eurer Beider Leben ſtatt, die vorherrſchende That⸗ ſache aber, welche es charakteriſirt, iſt dieſelbe. Ich habe den Grafen von Montgommery einſt aus dem Auge verloren, dennoch aber weiß ich, daß eine von meinen Weisſagungen ſich für ihn verwirklicht hat. Er hat den König mit einem Feuerbrand an der Stirne verwundet. Ob ſein übriges Geſchick in Erfüllung ge⸗ gangen iſt, weiß ich nicht. Ich kann nur behaupten, daß das Unglück und der Tod, wodurch er bedroht war, auch Euch bedrohen!“

„Iſt es möglich?“ ſagte Gabriel.

„Hier, gnädiger Herr,“ ſprach Noſtradamus, in⸗ dem er dem Vicomte d'Ermés ein zuſammengerolltes Papier überreichte,„hier iſt das Horoſkop, das ich zur Zeit für den Grafen von Montgommery geſchrieben hatte. Ich würde es heute nicht anders für Euch ſchreiben.“

„Gebt, Meiſter, gebt, dieſes Geſchenk iſt in der That unſchätzbar, und Ihr könnt nicht glauben, in welchem Maße es für mich koſtbar wird.“

„Ein letztes Wort, damit Ihr auf Eurer Hut ſeid, obgleich Gott der Gebieter iſt und man nicht wohl ſeinen Rathſchlüſſen entgehen kann. Die Nativi⸗ tät von Heinrich II. weisſagt, er werde in einem Duell oder in einem Einzelnkampfe ſeinen Tod finden.“

„In welchem Zuſammenhang?...5

„Wenn Ihr dieſes Pergament geleſen habt, wer⸗ det Ihr mich verſtehen, gnädiger Herr. Nun habe ich nur noch von Euch Abſchied zu nehmen und Euch zu wünſchen, daß die Kataſtrophe, welche Gott in Euer Leben gelegt hat, wenigſtens unwillkührlich ſein möge.“

————