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Dann lief ſie in der Nacht an die bezeichnete Stelle, und hier das Herz bebend, die Beine zitternd, eine Hand an ihrem brennenden Kopf, die andere auf ihrer Bruſt. welche dem Zerſpringen nahe, wartete ſie.
Sie hatte nicht lange zu warten. Das Geräuſch laufender Pferde drang an ihr Ohr.
Sie machte einen Schritt vorwärts.
Iſidor war bei ihr.
Der Lackei blieb zurück.
Ohne vom Pferde zu ſteigen, ſtreckte Iſidor die Arme nach ihr aus, hob ſie vom Steigbügel empor, küßte ſie und ſagte:
„Catherine, ſie haben geſtern in Verſailles meinen Bruder Georges getödtet; Catherine, mein Bruder Olivier ruft mich; Catherine, ich gehe.“
Ein ſchmerzlicher Ausruf erſcholl. Catherine ſchloß Charny wüthend in ihre Arme.
„Oh!“ rief Catherine,„ſie haben Ihren Bruder Georges getödtet, ſie werden Sie auch tödten.“
„Catherine, was auch geſchehen mag, mein älteſter Bruder erwartet michz Catherine, Sie wiſſen, ob ich Sie liebe.“
„Oh! bleiben Sie, bleiben Sie!“ rief Catherine, die von dem, was ihr Iſidor ſagte, nur Eines begriff: daß er gehe.
„Aber die Ehre, Catherine! aber mein Bruder Georges! aber die Rache!“
„Oh! ich Unglückliche!“ rief Catherine.
Und ſie warf ſich ſtarr und zuckend in die Arme von Iſidor.
Eine Thräne entquoll ſeinen Augen und fiel auf den Hals des Mädchens.
„Oh! Sie weinen,“ ſagte ſie;„Dank, Dank! Sie lieben mich!“
zAh! ja, ja, Catherine, ich liebe Dich. Aber be⸗ greifſt Du, Calherine, mein Bruder, der älteſte, ſchreibt mir: komm; ich muß gehorchen.“


