270 Es ſchlug zehn Uhr in der Kirche von Villers⸗
Potterets, und die Stunden zogen eine nach der andern, in der Luſt bebend, auf ihren ehernen Flügeln getragen
vorüber.
Catherine ſchaute umher.
„Der Ort iſt dunkel und abgelegen,“ ſagte ſie; „ich werde Ihren Herrn hier erwarten.“
Der Lackei ſtieg wieder zu Pferde und ritt im
Galopp weg. Catherine kehrte ganz zitternd hinter ihrer Mutter
in den Pachthof zurück.
Was konnte ihr Iſidor zu einer ſolchen Stunde zu eröffnen haben, wenn nicht ein Unglück?
Ein Liebesrendezvous entlehnt lachendere Formen.
Doch das war nicht die Frage, Iſidor verlangte ein Rendezvous in der Nacht, gleichviel zu welcher Stunde, gleichviel an welchem Ort: ſie hätte ihn auf dem Friedhofe von Villers⸗Cotterets um Mitternacht erwartet.
Sie wollte alſo nicht einmal nachdenken, küßte ihre Mutter und zog ſich in ihr Zimmer zurück, ſchein⸗ bar, um ſich ſchlafen zu legen.
Ihre Mutter kleidete ſich ohne Mißtrauen aus und ging ſelbſt zu Bette.
Wenn ſie aber auch mißtraut hätte, war Catherine nicht Gebieterin auf höheren Befehl?
Als Catherine in ihr Zimmer zurückgekehrt war, kleidete ſie ſich weder aus, noch legte ſie ſich nieder.
Sie wartete.
Sie hörte halb eilf Uhr ſchlagen, dann drei Viertel auf eilf Uhr.
Um drei Viertel auf eilf Uhr löſchte ſie ihre Lampe aus und eilte in's Speiſezimmer hinab.
Die Fenſter des Speiſezimmers gingen auf den Weg; ſie öffnete ein Fenſter und ſprang leiſe zu Boden.
Sie ließ dag, Fenſter offen, um zurückkehren zu können, und legte nur einen von den Läden am Kreuz⸗
ſtock an.
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