„Oh! ich bitte, mein Herr,“ rief ſie,„wollen Sie ſich doch erinnern, daß Sie nicht auf einem öffentlichen Platze mit blövſinnigen Bauern oder Patrivten ſprechen.“
„Ich weiß, mit wem ich ſpreche, Madame, glauben Sie mir das,“ erwiederte Gilbert.
„Dann mehr Achtung, mein Herr, oder mehr Geſchick⸗ lichkeit, durchgehen Sie ſelbſt Ihr ganzes Leben, ſondiren Sie die Tiefen dieſes Gewiſſens, das trotz ihres Genies
und ihrer Erfahrung die Männer, welche überall gear⸗ beitet haben, ais das Gemeingut der Sterblichen be⸗ ſitzen müſſen; erinnern Sie ſich wohl Alles deſſen, was Sie Niedriges, Schävliches, Strafbares gedacht, Alles deſſen, was Sie an Grauſamkeiten, an Attentaten, an Verbrechen ſogar begangen haben können. Unterbrechen Sie mich nicht, und wenn Sie die Summe von Allem dem gemacht haben werden, Herr Doctor, ſo beugen Sie das Haupt, werden Sie demüthig, nähern Sie ſich nicht mit dieſem frechen Stolz der Wohnung der Könige, welche, wenigſtens bis zu einer neuen Ordnung der Dinge, von Gott eingeſetzt find, um die Seelen der Verbrecher zu ergründen, die Falten der Gewiſſen zu ſondiren, und ohne Mitleid, wie ohne Appellation, die Strafen auf die Schulvigen anzuwenden.... Das iſt es, mein Herr, was ſich für Sie zu thun geziemt,“ fuhr die Königin
fort.„Man wird Ihnen für Ihre Reue Dank wiſſen.
Glauben Sie mir, das beſte Mittel, eine Seele, welche
ſo krank iſt, wie die Ihrige, zu heilen, wäre, in der
Einſamkeit zu leben, fern von den Größen, die den
Menſchen falſche Ideen von ihrem eigenen Werthe ge⸗
ben. Ich würde Ihnen alſo rathen, ſich nicht dem Hofe
zu nähern und darauf zu verzichten, den König bei ſeinen Krankheiten zu pflegen. Sie haben eine Kur zu machen, für die Ihnen Gott mehr Dank wiſſen wird,
als für irgend eine fremde Kur: die Ihrige. Das
Alterthum hatte ein Sprüchwort hierüber: lpse cura
medici.“
Statt ſich gegen dieſen Vorſchlag zu empören, den


