Sie überall und über Alles ſtudirt haben, Sie haben ohne Zweifel die Wiſſenſchaft des Magnetismus mit den Einſchläferern unſeres Jahrhunderts ſtudirt, mit dieſen Leuten, welche aus dem Schlafe einen Verrath nuhtn und ihre Geheimniſſe im Schlafe eines Andern eſen?“
„In der That, Madame, ich habe oft und lange unter dem gelehrten Caglioſtro ſtudirt.“
„Ja, unter demjenigen, welcher dieſen moraliſchen Diebſtahl, von dem ich ſo eben ſprach, ausübte und ſeine Adepten ausüben ließ, unter demjenigen, welcher mit Hülfe dieſes magiſchen und, wie ich ihn nennen werde, ſchändlichen Schlafes den Einen die Seelen, den Andern die Leiber nahm.“
Gilbert begriff abermals und erbleichte diesmal, ſtatt zu erröthen. Die Königin bebte darob vor Freude bis in die Tiefe ihres Herzens.
„Ah! Elender,“ murmelte ſie,„ich habe Dich auch verwundet und ich ſehe das Blut.“
Doch die tiefſten Gemüthsbewegungen blieben nicht lange ſichtbar auf dem Antlitz von Gilbert. Er näherte ſich der Königin, die ihn, freudig über ihren Sieg, vermeſſen anſchaute.
„Madame,“ ſagte er,„Eure Majeſtät hätte ſehr Unrecht, den gelehrten Männern, von denen Sie ſprechen, die ſchönſte Apanage ihrer Wiſſenſchaft, dieſe Macht, nicht Opfer, ſondern Unterthanen durch den magnetiſchen Schlaf einzuſchläfern, ſtreitig zu machen; ſie hätte beſonders Unrecht, ihnen ihr Recht ſtreitig zu machen, durch alle mögliche Mittel eine Entdeckung zu verfolgen, deren Geſetze, einmal anerkannt und geregelt, vielleicht berufen ſind, die Welt zu revolutioniren.“
Während er ſich der Königin näherte, hatte ſie Gilbert ebenfalls mit jener Willensmacht angeſchaut, der die nervöſe Andrée unterlegen war.
Die Königin fühlte, daß ein Schauer ihre Adern bei der Annäherung dieſes Mannes durchlief,


