Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Dritte Abteilung, Ange Pitou : 5.-8.Bändchen (1851) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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wie die Arzneikunde. Man verwundet die Leute von meinem Stande nicht, Herr Doctor Gilbert, man er⸗ müdet ſie nur.

Gilbert verbeugte ſich und machte einen Schritt nach der Thüre, doch ohne daß es der Königin möglich war, in ſeinem Geſicht die geringſte Spur von Zorn, das kleinſte Zeichen von Ungeduld zu entdecken.

Die Königin ſtampfte im Gegentheil vor Wuth mit dem Fuß; ſie machte einen Sprung, als wollte ſie Gilbert zurückhalten.

Er begriff.

Verzeihen Sie, Madame, ſagte er.Es iſt wahr, ich hatte das unverzeihliche Unrecht, zu vergeſſen, daß ich als Arzt vor eine Kranke gerufen bin. Entſchul⸗ digen Sie: ich werde mich fortan deſſen erinnern.

Und er blieb.

Eure Majeſtät, fuhr er fort,ſcheint mir einer Nervenkriſe nahe zu ſein. Ich möchte ſie bitten, ſich dem nicht hinzugeben; hald wäre ſie nicht mehr Mei⸗ ſterin darüber. In dieſem Augenblick muß der Puls ſtocken, das Blut fließt zum Herz zurück: Eure Maje⸗ ſtät leidet, Eure Majeſtät iſt dem Erſticken nahe, und vielleicht wäre es klug, wenn ſie eine von ihren Frauen rufen ließe.

Die Königin ging einmal im Zimmer auf und ab, ſetzte ſich dann wieder und fragte?

Sie heißen Gilbert?

Gilbert, ja, Madame.

Das iſt ſeltſam! Ich habe eine Jugenderinnerung, deren ſonderbare Exiſtenz Sie ohne Zweifel, wenn ich ſie Ihnen ſagte, ſehr verwunden würde. Doch gleich⸗ viel! verwundet, würden Sie ſich heilen, Sie, der Sie nicht minder ſolider Philoſoph, als gelehrter Arzt find, fügte die Königin bei.

Und ſie lächelte ſpöttiſch.

So iſt es gut, Madame, ſagte Gilbert,lächeln Sie und bezähmen Sie allmälig Ihre Nerven durch

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