144
ſtrittenen Abgaben einiger Getreuen aneignen können, welche durchaus Vaſallen bleiben wollten?
Ach! hier fing die Schlange der Eiferſucht wieder an tiefer zu beißen.
Glücklich! wäre ſie glücklich mit der Demüthigung einer verachteten Liebe?
Glücklich! bei Herrn von Charny, der glücklich wäre bei irgend einer geliebten Frau, bei der ſeinigen vielleicht?
Und dieſer Gedanke entzündete im Herzen der armen Königin alle die flammenden Fackeln, welche Dido viel mehr brannten, als ihr Scheiterhaufen.
Doch mitten unter dieſer ſieberhaften Qual ein Blitz der Ruhe; mitten unter dieſer bebenden Angſt ein Genuß! Sollte Gott in ſeiner unendlichen Güte das Böſe nur geſchaffen haben, um das Gute ſchätzen zu
machen?
Andrée hat der Königin ihre Bekenntniſſe gemacht, ſie hat die Schande ihres Lebens ihrer Nebenbuhlerin enthüllt; Andrée hat mit Thränen in den Augen, das Geſicht gegen die Erde, Marie Antvinette geſtanden, ſie ſei nicht mehr würdig der Liebe und der Achtung ehrlichen Mannes: Charnh wird alſo Andrée nie ieben.
Charnh weiß aber nichts, Charny wird nie etwas wiſſen von jener Kataſtrophe von Trianon und von den Folgen, die ſie gehabt hat. Für Charny iſt es daher, als beſtände die Kataſtrophe gar nicht.
Und während ſie dieſe Betrachtungen anſtellte,
prüfte die Königin im Spiegel ihres Gewiſſens ihre
abnehmende Schönheit, ihre verlorene Heiterkeit, ihre entflohene Jugendfriſche. Dann kehrte ſie zu Andrée zurück, zu den ſelt⸗ ſamen, beinahe unglaublichen Abenteuern, die ſie ihr erzählt hatte. Sie bewunderte die zauberhafte Combination des Schickſals, welche im Grunde von Trianon, im Schatten
—


