Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Dritte Abteilung, Ange Pitou : 5.-8.Bändchen (1851) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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auf die Marmorplatte auffallenden Gewehrkolben hörte, ſtieg Marie Antoinette, ihrer Ruhe müde, das Bedürf⸗ niß, zu athmen, fühlend, aus ihrem Bette, zoa ihre Sammetpantoffeln an, hüllte ſich in ein langes Nacht⸗ gewand, trat an's Fenſter, um die von den Cascaden aufſteigende Kühle zu ſchlürfen und im Vorüberziehen die Rathſchläge aufzufaſſen, die der Nachtwind den bren⸗ nenden Stirnen, den gepreßten Herzen zuflüſtert.

Dann durchging ſie in ihrem Geiſte Alles, was ihr dieſer ſeltſame Tag an unvorhergeſehenen Ereig⸗ niſſen gebracht hatte:

Den Fall der Baſtille, dieſes ſichtbaren Emblems der königlichen Gewalt, die Schwankungen von Charny, dieſem ergebenen Freund, dieſem leidenſchaftlichen Ge⸗ fangenen, den ſie ſeit ſo vielen Jahren unter dem Joche hielt, und der, nachdem er nür Liebe geſeufzt hatte, zum erſten Mal Bedauern und Reue zu ſeufzen ſchien.

Mit jener Gewohnheit der Zuſammenſtellung, welche den großen Geiſtern die Bekanntſchaft mit Menſchen und Dingen gibt, machte Marie Antvinette auf der Stelle zwei Theile aus dem Mißbehagen, das ſie empfand und das ein politiſches Unglück und einen Herzenskummer in ſich ſchloß. 8

Das politiſche Unglück war die große Nachricht, welche, von Paris um drei Uhr Nachmittags ausge⸗ gangen, ſich über die Welt verbreiten und in allen Geiſtern die bis dahin den Königen, Mandataren Got⸗ tes, zugeſtandene Ehrfurcht angreifen ſollte.

Der Herzenskummer war der dumpfe Widerſtand von Charny gegen die Allmacht ſeiner geliebten Fürſtin. Es war wie eine Ahnung, daß, ohne aufzuhören, treu und ergeben zu ſein, die Liebe blind zu ſein aufhören ſollte und ihre Treue und Ergebenheit zu erörtern an⸗ fangen konnte.

Dieſer Gedanke bedrückte ihr Herz gewaltig und füllte es mit jener bitteren Galle, die man die Eifer⸗